Das Abitur ist der höchste deutsche Schulabschluss. Seit 2015 legten in Deutschland immer mehr als 50 Prozent der Schüler eines Jahrgangs die entsprechenden Prüfungen ab. Allein dies zeigt, welche Bedeutung dem Abitur zugesprochen wird. Den Abschluss nachzuholen, eröffnet zahlreiche Karrierechancen.

Welche Vorteile hat man mit Abitur?

Allgemeine Hochschulreife

Das Abitur wird auch als „allgemeine Hochschulreife“ bezeichnet. Dies bedeutet, dass der Schulabschluss Ihre Zutrittsberechtigung zur Universität ist. Auf einigen Studiengängen liegt zusätzlich der sogenannte „Numerus Clausus“. Dabei handelt es sich um die Note, die Sie mindestens im Abitur erreichen müssen, um das Fach studieren zu können. Nicht nur das Abitur an sich, sondern zugleich ein möglichst guter Abschluss ist deshalb wichtig.

Bessere Chancen auf einen Ausbildungsplatz

Abiturienten haben wesentlich bessere Chancen auf einen Ausbildungsplatz. Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BBIB) berichtet, dass die Zahl der „Azubis“ mit Abitur von 2015 zu 2017 von 25 auf 40 Prozent geklettert ist. Die Tendenz ist weiter steigend. Abiturienten können zudem häufig zwischen unterschiedlichen Ausbildungsplätzen wählen.

Hilfe im Alltag durch spezielle Kompetenzen

In der Abiturphase werden überdies Kompetenzen vermittelt, die sich im Alltag in unterschiedlichen Situationen als hilfreich erweisen. Beispielsweise lernen Sie die Methoden, um neues Wissen eigenständig aufzunehmen, einzuordnen und produktiv für sich nutzbar zu machen („diskursive Auseinandersetzung mit neuem Stoff“).

Was sind die Voraussetzungen, um Abitur nachholen zu können?

Alle Möglichkeiten, wie Sie das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachholen können, haben ähnliche Voraussetzungen.

  • Sie müssen erstens das 18. Lebensjahr vollendet haben.
  • Abgesehen vom Abitur über einen privaten Anbieter müssen Sie zudem eine Berufsausbildung abgeschlossen haben.
  • Alternativ genügt es, wenn Sie nachweislich drei Jahre gearbeitet haben. Wehr- und Zivildienst werden dabei ebenso angerechnet wie beispielsweise ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr.

Allgemein zu berücksichtigen ist, dass das Abitur in Deutschland nicht bundeseinheitlich, sondern föderal organisiert ist. Es liegt deshalb in der Hoheit der einzelnen Bundesländer, wie bestimmte Fächerkombinationen aussehen können. Dabei kann es erhebliche Unterschiede geben. Dies müssen Sie für Ihre Planungen berücksichtigen.

Wie kann man am Kolleg Abitur nachholen?

Das Kolleg ist ein Institut der Erwachsenbildung, das zumeist staatlich gefördert wird. Dies bedeutet, dass es in der Regel für Sie kostenlos ist. Sie haben allerdings trotzdem Anspruch auf eine Unterstützung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG). Um ein Kolleg zu besuchen, müssen Sie in der Regel mindestens einen Realschulabschluss besitzen bzw. die mittlere Reife vorweisen können. Einige Kollegs bieten allerdings die Möglichkeit ein, diesen Schulabschluss während der Abiturvorbereitung nachzuholen. Unterricht wird am Kolleg ganztägig durchgeführt, was bei der Vereinbarkeit mit dem Beruf zu berücksichtigen ist.

Dauer und Ablauf

Der Ausbildungsgang ist auf 3,5 Jahre ausgelegt. Die ersten sechs Monate sind dabei für einen Vorkurs reserviert, um Inhalte zu wiederholen und wieder an das schulische Lernen heranzuführen. In einigen Kollegs können Sie auf den Vorkurs verzichten, wenn Sie sich sicher fühlen sollten.

Nach dem Vorkurs folgt die einjährige Einführungsphase. Sie ist das Pendant zur elften Klasse des Gymnasiums. Hier wird das Grundwissen vermittelt, das Sie für den weiteren Ausbildungsweg benötigen.
Auf die Einführungsphase folgt die sogenannte Qualifikationsphase. Diese dauert zwei Jahre bzw. vier Semester. Ein Semester entspricht dabei einem Halbjahr. Kurse werden nach Semestern abgehalten und bewertet. Sie müssen die Qualifikationsphase nach den Kursvorgaben Ihres Bundeslandes absolvieren.

Abgeschlossen wird der Ausbildungsgang mit der Abiturprüfung. An Kollegs handelt es sich um die sogenannte Externenprüfung. Sie sind dabei an einer staatlichen Institution zu Gast, welche die Prüfungsberechtigung für das Abitur hat – beispielsweise an einem Gymnasium.

Wie holt man Abitur über die Volkshochschule nach?

Die Volkshochschule (VHS) ist ein gemeinnütziges Institut der Erwachsenen- sowie der Weiterbildung. Das Abitur kann in Kursen nachgeholt werden, die im Modulsystem angeboten werden. Allerdings haben viele Volkshochschulen das entsprechende Angebot stark zusammengestrichen. Anders als beispielsweise das Kolleg ist die VHS zudem kostenpflichtig. Dies Kursgebühren können bis zu 500 Euro pro Semester bzw. Halbjahr erreichen. Sie können allerdings BAföG zur Unterstützung beantragen. Zugangsvoraussetzung ist je nach VHS ein Haupt- oder Realschulabschluss.

Dauer und Ablauf

Der Weg zum Abitur dauert in der Volkshochschule zwei bis vier Jahre. Dies liegt zum einen daran, wie viele Stunden Sie selbst pro Woche in die Schule gehen können. Zum anderen müssen Sie sich nach dem Kursangebot richten. Viele VHS schließen bei 15 bis 20 Teilnehmern ihre Seminare, was sie zum Warten zwingt.

„Modulsystem“ bedeutet, dass bestimmte Veranstaltungen zusammenhängend zu den immer gleichen Zeiten in der Woche angeboten werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Sie je nach Bundesland beispielsweise nicht jede Fächerkombination als Leistungskurse wählen dürfen. Im Angebot der Volkshochschulen kann es dabei zu Überschneidungen kommen. Ihre beiden bevorzugten Leistungskurse werden beispielsweise zeitgleich angeboten. Dies müssen Sie bei der Planung berücksichtigen.

Das Abitur selbst wird in Form der Externenprüfung abgelegt. Sie absolvieren die Prüfungen also nicht direkt in der VHS, sondern in einer prüfungsberechtigten anderen Bildungseinrichtung.

Wie kann man an der Abendschule Abitur nachholen?

Die Abendschule ähnelt dem Kolleg. Sie ist in der Regel staatlich gefördert oder gleich in staatlicher Trägerschaft und damit kostenfrei. BAföG können Sie trotzdem nach Vollendung des zweiten Ausbildungsjahres beantragen, wenn Sie das 30. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. In der Regel unterrichten Abendschulen von 17:00 bis 21:30 an zwei bis drei Abenden pro Woche und orientieren sich an den regulären Schulferien. In Ausnahmen, beispielsweise für alleinerziehende Mütter, werden auch vormittags Kurse angeboten. Sie benötigen wenigstens einen Hauptschulabschluss, um an der Abendschule das Abitur nachholen zu können.

Dauer und Ablauf

Der Weg zum Abitur an der Abendschule dauert 3,5 Jahre bzw. sieben Semester. Im ersten Semester besuchen Sie einen Vorbereitungskurs, der in der Hauptsache der Wiederholung dient. Sie werden wieder an die Techniken des schulischen Lernens herangeführt.

Es folgt die Einführungsphase von zwei Semestern, in denen Sie das Grundwissen erlernen. Es folgt die Qualifikationsphase von vier Semestern, die im Kurssystem aufgebaut ist, wie es von Ihrem Bundesland vorgeschrieben ist. Abgeschlossen wird die Qualifikationsphase von den Abiturprüfungen, die in der Abendschule absolviert werden.

Wie kann man an einer Fernschule per Fernstudium Abitur nachholen?

Bei Fernschulen handelt es sich zumeist um Anbieter in privater Trägerschaft. Der Weg zum Abitur ist entsprechend kostenpflichtig. Die Preise können erheblich schwanken. Mindestvoraussetzung, um über ein Fernstudium das Abitur nachzuholen, ist der Hauptschulabschluss. Der Realschulabschluss kann bei den meisten Anbietern auf dem Weg zum Abitur nachgeholt werden. Der wöchentliche Arbeitsaufwand liegt durchschnittlich bei zwölf bis 16 Stunden. Anders als bei staatlichen Anbietern ist keine abgeschlossene Berufsausbildung bzw. eine Mindestarbeitszeit von drei Jahren notwendig.

Ablauf und Dauer

Die Dauer dieses Weges zum Abitur beträgt 30 bis 42 Monaten. Dies ist davon abhängig, ob erstens ein Realschulabschluss nachgeholt werden muss. Zweitens kommt es darauf an, ob noch ein zusätzlicher Vorbereitungskurs gewünscht wird.

Anders als bei den sonstigen Wegen zum Abitur ist im Fernstudium relativ frei. Je nach Anbieter werden während der Ausbildungszeit zehn bis 15 Seminare angeboten. Zwingend belegen müssen Sie jedoch nur zwei bis drei. Dies gestattet eine relativ freie Schwerpunktsetzung, was insbesondere mit Blick auf ein späteres Studium lohnend sein kann.

Die eigentliche Abiturprüfung ist in der Regel zweistufig. Sie absolvieren erstens einen Abschlusskurs des jeweiligen Anbieters. Wenn Sie diesen bestehen, werden Sie zur Externenprüfung angemeldet und absolvieren dann beispielsweise in einer Abendschule die staatlich anerkannte Abiturprüfung. Die meisten Anbieter vergeben meistens noch ein Zusatz-Zertifikat. Jenes genießt in der Wirtschaft hohes Ansehen, weil es beweist, dass Sie eigenverantwortlich arbeiten können.

Kann man online Abitur nachholen?

Das Abitur kann entweder mit staatlicher Unterstützung oder über private Anbieter online nachgeholt werden. Nordrhein-Westfalen bietet eine entsprechende Möglichkeit beispielsweise seit 2002. Staatliche Angebote sind kostenfrei, abgesehen von den notwendigen Lehr-Lernmitteln wie z.B. Büchern. Private Anbieter verlangen Schulgeld. Sie müssen mindestens einen Realschulabschluss besitzen, um das Abitur online nachzuholen.

Dauer und Ablauf

Staatliche Angebote veranschlagen einen Arbeitsaufwand von 20 Wochenstunden. Zehn Stunden lernen Sie über das Netz von zu Hause. Zehn Stunden finden als Präsenz an einem Kolleg oder in einer Abendschule statt. Sie sollten weitere zehn Stunden für Vor- und Nachbereitungen einplanen. Die Präsenzstunden finden in der Regel am Nachmittag oder am Abend statt. Bei privaten Anbietern kann die Gewichtung der Stunden variieren.

Insgesamt dauert der Weg zum Abitur drei Jahre. Das erste Jahr ist der Einführungsphase gewidmet, in der Sie das nötigen Grundwissen erwerben. Es folgt die Qualifikationsphase von zwei Jahren, die im Kurssystem unterrichtet wird.

Die Abiturprüfungen selbst findet in Form der Externenprüfung statt. Sie müssen die Prüfungen also in einer anderen Bildungseinrichtung als Gast ablegen, die über die nötige Prüfungsberechtigung verfügt. Dies gilt nicht, wenn Sie Ihre Präsenzstunden in einer staatlichen Abendschule absolvieren.

Wie sieht die Abiturprüfung aus?

Das normale Abitur

Das normale Abitur besteht aus vier Prüfungsfächern, die während der Qualifikationsphase durchgehend belegt werden müssen. Aufgeteilt sind diese in zwei Leistungskurse, ein schriftliches Prüfungsfach und ein mündliches Prüfungsfach. Die Leistungskurse werden zumeist fünfstündig pro Woche unterrichtet. Die weiteren Prüfungsfächer sind in der Regel dreistündig.

Die Abiturklausuren in den Leistungskursen dauert fünf Zeitstunden. Die weitere schriftliche Prüfung nimmt drei Zeitstunden in Anspruch. Die mündliche Prüfung dauert insgesamt 60 Minuten: Diese Zeit gliedert sich in 30 Minuten Vorbereitungs- und 30 Minuten Prüfungszeit auf. Je nach den Noten in den schriftlichen Fächern können in diesen auch mündliche Nachprüfungen nötig werden. Die Regeln entsprechen dann denen der regulären mündlichen Prüfung.

Die Externenprüfung

Die Externenprüfung unterscheidet sich zwischen den Bundesländern. Nordrhein-Westfalen besitzt dabei aber die Regeln, nach denen sich zumeist orientiert wird. Sie müssen in allen vier Fächern schriftliche Prüfungen absolvieren. Die Länge kann sich unterscheiden, reicht aber generell von drei bis zu fünf Zeitstunden. Wenn Sie alle vier schriftlichen Prüfungen bestanden haben, müssen Sie zusätzlich in allen Fächern mündliche Prüfungen erfolgreich ablegen. Diese dauern eine Stunde. Die ersten 30 Minuten dienen der Vorbereitung, der Rest der Zeit ist für die eigentliche Prüfung reserviert.

Wie wählt man den passenden Anbieter für das Nachholen von Abitur?

Die folgenden Kriterien sollten Sie berücksichtigen, wenn Sie nach einer Möglichkeit suchen, um das Abitur nachzuholen:

  • Kosten: Können Sie sich das jeweilige Angebot leisten? Ist es möglicherweise kostenlos?
  • Vereinbarkeit mit Familie und Beruf: Findet der Unterricht so statt, dass Sie keine Probleme mit Ihrem regulären Job bekommen und/ oder genügend Zeit für Ihre Familie bleibt?
  • Zugangsvoraussetzungen: Haben Sie beispielsweise eine abgeschlossene Berufsausbildung oder können Sie genügend Arbeitsjahre nachweisen? Müssen Sie möglicherweise Ihren Realschulabschluss nachholen?

Gibt es Alternativen zum Abitur?

Fachgebundene Hochschulreife

Einige Fächer dürfen Sie auch dann studieren, wenn Sie kein Abitur haben. Man spricht von der „fachgebundenen Hochschulreife“. Die Bundesländer und teilweise die Universitäten legen die Regeln hierfür individuell fest. Sie müssen das zwölfte Schuljahr bzw. die ersten zwei Semester der Qualifikationsphase erfolgreich absolviert haben. In der Regel sind die Leistungskurse für die fachgebundene Hochschulreife geöffnet.

Fachhochschulreife/ Fachabitur

Die Fachhochschulreife/ das Fachabitur erwerben Sie, nachdem Sie das 12. Schuljahr bzw. das erste Jahr der Qualifikationsphase erfolgreich abgeschlossen haben. Sie dürfen mit diesem Abschluss alle Fachhochschulen besuchen, die nicht Universitäten oder Hochschulen gleichen Ranges (beispielsweise pädagogische Hochschulen) sind. Gängig werden die zulässigen Hochschulen mit FH oder TH (Technische Hochschule) abgekürzt.

Sowohl für die fachgebundene Hochschulreife sowie für die Fachholschulreife sind keine gesonderten Abschlussprüfungen notwendig. Allerdings findet das sogenannte Vorabitur im ersten Jahr der Qualifikationsphase statt. Dabei handelt es sich um schriftliche Prüfungen, die unter Abiturbedingungen absolviert werden.

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