Der Realschulabschluss – auch als die mittlere Reife bezeichnet – ist für den weiteren Berufsweg von entscheidender Bedeutung. Wer den Realschulabschluss nachholen möchte, kann dies auf insgesamt fünf verschiedene Arten machen. Keine davon ist sonderlich bequem, sondern auch dieser Abschluss verlangt einiges an Hingabe und vor allem Lerneifer.

Was ist ein Realschulabschluss (mittlere Reife)?

Die mittlere Reife ist der sogenannte Realschulabschluss. Dieser ist wichtig, da nur dieser Schulabschluss den Schüler dazu berechtigt, Schulformen der Sekundarstufe II, also Fachoberschulen, Berufsoberschulen, Berufskollegs oder auch Gymnasien zu besuchen.

Die Ausgestaltung des Abschlusses und die Voraussetzungen zur Qualifizierung für die Sekundarstufe II sind dabei von den Regelungen der einzelnen Bundesländer abhängig.

Kann ich einen Realschulabschluss (mittlere Reife) nachholen?

Mit dem Abgangszeugnis einer Hauptschule ist jeder Mensch berechtigt die mittlere Reife nachzuholen. Hierzu gibt es verschiedene Wege und Möglichkeiten, welche eine unterschiedlich hohe Leistungsbereitschaft erfordern. Wenn der Wille hierzu vorhanden ist, sollte die mittlere Reife jedoch in jedem Fall angestrebt werden. Sie bietet vor allem berufliche Vorteile für den Absolventen.

Realschulabschluss (mittlere Reife) extern ohne Schule nachholen

Wer die mittlere Reife ohne einen weiteren Schulbesuch absolvieren möchte, kann die sogenannte Externen Prüfung in Anspruch nehmen. Die Externen Prüfung ist ein Angebot des Staates an jeden Bürger, über den sogenannten zweiten Bildungsweg verschiedene Abschlüsse nachzuholen.

Vorteile

Der Vorteil dieser Methode besteht vor allem in der hohen Flexibilität und den geringen Kosten. Jeder kann so lernen, wie es zeitlich am besten passt. Es müssen nur die Schulbücher für die jeweiligen Inhalte erworben werden. Die Lehrpläne und Inhalte sind online zu finden oder können oftmals auch an der eigenen alten Schule angefragt werden. Somit lassen sich die Lerninhalte etwas einfacher strukturieren.

Nachteile

Der Nachteil liegt allerdings darin, dass es sehr schwierig ist sich auf diesem Weg umfassend vorzubereiten. Ohne Lehrer und ohne Kontrolle der eigenen Leistungen ist nie wirklich ersichtlich, ob alle Themen und Inhalte verstanden wurden. Zudem muss man bereit sein sich selber intensiv mit den Themen auseinanderzusetzen und darf auch vor Problemfächern nicht zurückschrecken.

Dauer

Insgesamt sollte man auch hier mit einer Lerndauer von gut zwei Jahren rechnen. Wer sich natürlich nur auf das Lernen konzentriert und nichts anderes nebenher macht, kann diese Zeit verkürzen. Ist man dann mit dem eigenen Kenntnisstand zufrieden, kann die Anmeldung zur Externen Prüfung erfolgen. Die zuständigen Stellen bieten im Vorfeld in der Regel eine Beratung an, welche in jedem Fall in Anspruch genommen werden sollte.

Realschulabschluss (mittlere Reife) an der Abendschule nachholen

Viele Volkshochschulen bieten sogenannte Abendschulen an. Hierbei handelt es sich um eine Art reguläre Schulausbildung, welche in den Abendstunden stattfindet. Allerdings sind die Klassen in den Abendschulen oftmals nicht sonderlich gut differenziert. Starke und schwache Schüler sitzen in einer Klasse und müssen sich entsprechend den Lehrer und dessen Aufmerksamkeit teilen.

Zu den Voraussetzungen zum Besuch einer Abendschule gehören sowohl das Mindestalter von 18 Jahren als auch die Erfüllung der Schulpflicht. Zudem müssen die Teilnehmer entweder zum Zeitpunkt des Schulbeginns beschäftigt sein oder zumindest auf sechs Monate Beschäftigungsdauer zurückblicken können.

Vorteile

Die Vorteile bei der Abendschule liegen vor allem in der Organisation und im geringen Preis. Die Kosten liegen oftmals bei rund 150 Euro pro Halbjahr. Zudem werden die Inhalte aufbereitet präsentiert und auch Hausaufgaben vergeben. Dennoch schützt die Abendschule nicht vor dem Selbststudium. Da die Klassen oftmals sehr unterschiedlich ausfallen, müssen viele Inhalte in Eigenregie gelernt werden.

Nachteile

Dies führt uns auch direkt zu den Nachteilen. Denn eine Abendschule kostet viel Zeit und bringt im schlimmsten Falle nur wenig. Wenn sehr viele schlechte Schüler in einer Klasse sitzen, kann es für schnellere Schüler sehr schnell langweilig werden.

Dauer

In der Regel dauert es in der Abendschule ein Jahr, bis der Schüler in der Lage sein sollte seinen Realschulabschluss zu absolvieren. Wer nicht genug lernt oder eine schlechte Klasse erwischt, kann aber auch gut eineinhalb oder zwei Jahre benötigen.

Realschulabschluss (mittlere Reife) während der Ausbildung an der Berufsschule nachholen

Unter bestimmten Bedingungen ist es möglich im Rahmen der betrieblichen Ausbildung an der Berufsschule ebenfalls die mittlere Reife zu erreichen. Hierzu muss zunächst einmal ein Hauptschulabschluss des Schülers vorliegen. Zudem ist der Abschluss in der Regel an einen Nachweis ausreichender Fremdsprachkenntnisse gekoppelt. Weitere Voraussetzungen hängen stark vom Bundesland und der jeweiligen Berufsschule ab.

Vorteile

Der Vorteil dieser Form des Realschulabschlusses liegt vor allem in den geringen Kosten und dem relativ geringen Mehraufwand. Denn der Auszubildende muss in jedem Fall die Berufsschule besuchen und durch seine Noten überzeugen. Die mittlere Reife ist somit ein weiterer Bonus, den es zu erreichen gilt.

Der Mehraufwand beim Lernen hält sich darüber hinaus in Grenzen. Zudem werden die Lerninhalte klar vorgegeben und von den Lehrern an der Berufsschule durch Tests, Hausaufgaben und Arbeiten überprüft. Ein weiterer Vorteil sind die nicht vorhandenen Kosten.

Nachteile

Schwache Schüler können hier natürlich an ihre Grenzen stoßen, vor allem da das Tempo nicht selber bestimmt werden kann. Der Realschulabschluss muss innerhalb der Ausbildungsdauer erreicht werden.

Dauer

Die Dauer der Schulausbildung hängt immer auch mit der Dauer der Ausbildung zusammen. Im Regelfall beträgt eine Ausbildungsdauer drei Jahre, kann bei guten Leistungen allerdings nochmals reduziert werden. Gute Schüler mit entsprechenden fachlichen Qualitäten können somit die mittlere Reife und die Berufsausbildung bereits nach zwei oder zweieinhalb Jahren abschließen.

Realschulabschluss (mittlere Reife) über eine Fernschule nachholen

Der wohl einfachste, aber auch teuerste Weg den Realschulabschluss nachzuholen, gelingt mit Hilfe von Fernschulen. In Deutschland sind vor allem vier verschiedene Fernschulen aktiv. Das sind die Studiengemeinschaft Darmstadt, das Institut für Lernsysteme, die Fernakademie für Erwachsenenbildung und die Hamburger Akademie für Fernstudien.

Wer sich in einer dieser Fernschulen anmeldet, um die mittlere Reife zu erlangen, kann sich zunächst das gesamte System für einen Monat anschauen. Anschließend gilt es sich für oder gegen die Fernschule zu entscheiden.

Vorteile

Die Vorteile bei einer Fernschule liegen darin, dass alle Informationen und Schulhefte direkt an den Schüler übermittelt werden. Die Inhalte sind direkt auf diese Unterrichtsform optimiert, was die Lerngeschwindigkeit erhöht. Zudem prüfen die Lehrer die Hausaufgaben und den Lernfortschritt der Schüler regelmäßig. Kontakt gehalten wird per Telefon, E-Mail und Chat-Funktion. Somit erhalten die Schüler einen umfassend strukturierten Unterricht, welcher optimal auf die abschließende Prüfung vorbereitet.

Nachteile

Der Nachteil an diesem System sind vor allem die Kosten. Denn diese Leistungen lassen sich die Fernschulen sehr gut bezahlen. In der Regel verlangen die meisten Fernschulen zwischen 100 und 150 Euro pro Monat von den Schülern. Das ist viel Geld und für viele Menschen leider nicht erschwinglich. Allerdings ist es möglich, solche Fernschulen auch vom Arbeitsamt fördern zu lassen.

Dauer

Die Fernschulen veranschlagen für die Vorbereitung auf die Abschlussprüfung in der Regel zwei Jahre. Wer besonders intensiv lernt und seine Zeit gut nutzt, kann den Abschluss allerdings bereits nach 1,5 Jahren anstreben.

Was wird in der Realschulabschlussprüfung geprüft?

Da der Realschulabschluss wie alle anderen Schulabschlüsse auch, von den Bundesländern verwaltet wird, kann es bei den folgenden Angaben zu Unterschieden kommen.

Grundsätzlich werden in vier verschiedenen Fächern Prüfungen abgelegt. Dabei müssen zwei Prüfungen schriftlich und zwei mündlich erfolgen.
Schriftliche Prüfungen sind in folgenden Fächern vorgeschrieben:

  • Mathematik
  • Deutsch

Eine mündliche Prüfung muss in einer Fremdsprache abgelegt werden. Dies kann Englisch sein, ist aber nicht verpflichtend. Der Schüler kann sich auch in einer anderen Fremdsprache prüfen lassen, wenn dies der Lehrplan erlaubt.

  • Ein weiteres Wahlfach außerhalb der bereits genannten Fächer ist ebenfalls mit einer mündlichen Prüfung zu bestehen.

Welche Vorteile hat ein Realschulabschluss?

Der Realschulabschluss bietet einige Vorteile. Zum einen wird somit eine weitere schulische Weiterbildung möglich. Denn mit dem Realschulabschluss stehen die verschiedenen Bildungswege in der Sekundarstufe II offen. Wer sich bemüht und fleißig lernt, kann somit sogar bis zur Studienreife aufsteigen.

Zudem stehen mit einem Realschulabschluss viel mehr Ausbildungsmöglichkeiten und Berufswege offen. Ein guter Grund für die weitere Ausbildung, da somit auch die möglichen Gehälter in Zukunft ansteigen können.

Braucht man unbedingt einen Realschulabschluss für eine Ausbildung?

Für eine Ausbildung ist ein Realschulabschluss nicht immer zwingend erforderlich. Es gibt sicherlich Berufe, in welchen eine Ausbildung auch ohne einen solchen Schulabschluss begonnen werden kann. Allerdings steigt die Anzahl der möglichen Berufswege und Ausbildung mit der Höhe des Schulabschlusses deutlich an.

Somit ist es in jedem Fall empfehlenswert sich um einen Realschulabschluss zu kümmern. Zudem ermöglicht dieser im Fall der Fälle auch den Erwerb von noch höheren Schulabschlüssen, falls gewünscht.

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